Streik zeigt Schieflage im Bildungssystem überdeutlich

17. November 2009

"Streik" wird oftmals als probates Mittel eingesetzt, um dem Gegenüber die Pistole auf die Brust zu setzen. Das machen die Gewerkschaften, wenn sie ihre Lohnforderung durchsetzen wollen, das machen die Studenten, wenn sie Missstände im deutschen Bildungssystem beklagen. Mit letzteren kann ich mich besonders gut solidarisieren, da ich die Zustände an Deutschlands Universitäten, zumindest an einer im Besonderen, gut kenne. Zu wenig Geld ist Vielfach der Vorwurf. Ein Argument, welches immer und überall greift. Im Bildungssystem trifft es den Nagel auf den Kopf.

Der sogenannte "Bologna-Prozess", also die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge, hat in Deutschlands Hochschullandschaft viel kaputt gemacht. Magister und Diplom sind dem zum Opfer gefallen. Zwei anerkannte Abschlüsse sind amerikanisiert und damit internationalisiert worden. Ein Fehler! Das deutsche Diplom hatte Klang in der Welt, die Ausbildung an Deutschlands Hochschulen galt als vorbildlich, genoss internationales Ansehen. "Bologna" hat alles gleich gemacht – europa- und weltweit. Ich habe Glück, dass ich noch im vorletzten Diplomjahrgang immatrikuliert bin, denn die gepriesenen Vorteile des Bachelor-Studiengangs gibt es nicht. Viel weniger Studenten nutzen im Rahmen des dreijährigen Bachelorprogramms die Gelegenheit, ein Auslandssemester zu machen, lediglich 15 Prozent der Studierenden. Eigentlich sollte – so die Befürworter – der Anteil wesentlich höher sein. Woran liegt es? Am Zeitdruck. Ein zeitlich gestraftes Studium, inhaltlich noch genau so anspruchsvoll wie während des Diploms stellt den Studenten (übrigens auch die Studentin) vor eine große Herausforderung. Da bleibt keine Zeit für Exkursionen. Nach drei Jahren sollen die Bachelor reif für den Arbeitsmarkt sein, dabei gilt dieser Abschluss im Allgemeinen als wertlos. Der Master als zweite Stufe ist außer Stande, diesen Zustand zu retten; die Zulassungsbeschränkungen sind streng.

Deshalb sind Deutschlands Studenten auf der Straße, besetzen ihre Universitäten. Das zeigt: Im deutschen  Bildungssystem muss sich etwas ändern, insgesamt. Der Föderalismus, also die Länderhoheit im System, ist der Krebsschaden. Deutschland muss endlich den Schritt zu einem zentralisierten Bildungssystem gehen. Eines der Kernanliegen meines politischen Engagements. Nur dann haben die Studenten ein echtes Gegenüber, gegen den sich der Streik richten kann. Die schwache und kompetenzlose Bundesbildungsministerin ist es nicht, die Bundeskanzlerin, die gerne zu ergebnislosen Gipfeln ruft, auch nicht.

Weiterführende Information:

Resolution: Für ein besserer und gerechteres Bildungssystem [PDF | 37,4 kB]