Literaturnobelpreis: Berliner Autorin Herta Müller geehrt
Zehn Jahre nach Günter Grass und fünf Jahre nach der österreichischen Schriftstellerin Elfriede Jelinek erhält die deutsche Autorin Herta Müller in diesem Jahr den Literaturnobelpreis. Müller habe "mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit gezeichnet", hieß es in der Würdigung der Königlich-Schwedischen Akademie.
Seit einigen Jahren verfolge ich die Vergabe der wohl begehrtesten Auszeichnungen der Welt. Ob Medizin, Physik, Chemie, Literatur, Frieden oder Wirtschaft – das Interesse, wer die Preise am 10. Dezember entgegen nehmen wird, ist groß. Besonders interessiert mich dabei der Friedensnobelpreis, weil die Chance, den Preisträger tatsächlich zu kennen, hier besonders groß ist. Außerdem ist die Nähe zu meinem politischen Interesse am größten.
Am Unberechenbarsten ist aber das Gremium, welches den Literaturnobelpreis vergibt. Das wiederrum macht diese Auszeichnung besonders spannend. 2004 fiel die Literaturwelt aus allen Wolken, als die Österreicherin Elfriede Jelinek ausgezeichnet worden war. Ihr haftete bis dato der Makel einer nur regional bekannten Schriftstellerin an. 2005 und 2007 folgten Preisträger, die seit Jahrzehnten als "Nobelpreiswürdig" gehandelt worden waren. Auch Günter Grass, der den Preis 1999 bekam, musste 20 Jahre auf den Anruf aus Stockholm warten, der ihn damals auf dem Weg zum Zahnarzt erreichte.
Am 10. Dezember 2009 erhält die erst 56-jährige Berliner Autorin Herta Müller die höchste Auszeichnung für eine Literatin. Die 1953 im deutschsprachigen Nitzkydorf/Rumänien geborene Schriftstellerin verarbeitet vor allem ihre Erfahrungen mit dem Unterdrückungssystem der rumänischen Ceaușescu-Diktatur. In ihrem neuen Roman "Atemschaukel" beschreibt Müller das Schicksal von Rumäniendeutschen, die in der Sowjetunion in Arbeitslager interniert waren. Ihre Mutter ereilte dieses Schicksal.
In der seit 1901 währenden Geschichte des Nobelpreises für Literatur ist Müller erst die 12. Frau, der diese Auszeichnung zu Teil wird.
Deutsche Literaturnobelpreisträger im Überblick:
1901: Theodor Mommsen
1908: Rudolf Eucken
1910: Paul Heyse
1912: Gerhard Hauptmann
1929: Thomas Mann
1972: Heinrich Böll
1999: Günter Grass
2009: Herta Müller
