Vorschneller Friedensnobelpreis für die Macht seiner Worte

09. Oktober 2009

Der Nobelpreis kommt früh und überraschend, ohne Taten, basierend auf seiner mächtigsten Waffe: der Macht seiner Worte. Noch nie hat ein Friedensnobelpreisträger den Preis so schnell - aus meiner Sicht vorschnell - erhalten. Er, der "Präsident der Superlative" macht es möglich: Am 10. Dezember wird Barack Obama mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Das norwegische Nobelkomitee in Oslo würdigt damit seine seit Januar dieses Jahres währenden "außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen Völkern zu stärken". Besonderen Einfluss auf die Entscheidung habe Obamas Vision für eine Welt ohne Atomwaffen gehabt. Dabei ist Präsident Obama beileibe nicht der Einzige, der sich dafür einsetzt.

Aus meiner Sicht hat sich das Nobelkomitee in Oslo mit der Auszeichnung an Obama verhoben, hat ihm diese höchste Auszeichnung zu schnell zu Teil werden lassen. Obama wird dem Grundgedanken Alfred Nobels – zumindest 2009 – nicht gerecht. Er hätte die Gelegenheit haben müssen, seinen Worten Taten folgen zu lassen.

Es gibt aber noch eine zweite Sichtweise: Vorschusslorbeeren hat Obama erhalten, ähnlich wie Willy Brandt 1971. Seine damals wegweisende Ostpolitik hat durch die Verleihung des Friedensnobelpreises an den SPD-Politiker Auftrieb erhalten. Brandt allerdings hatte bereits achtbare Erfolge erzielt, die Verträge bereits unterzeichnet. Obama hat bisher nur geredet, die Hand ausgestreckt. Jede Menge internationale Krisenherde sind solche geblieben. Mit Worten allein lassen sich Krisen nicht lösen. Das Nobelkomitee hat ihm mit der sehr frühen Auszeichnung den Rücken für seine internationalen Bemühungen gestärkt. Dieses in ihn gesetzte Vertrauen nun zu rechtfertigen, ist seit dem heutigen Tag unendlich schwerer geworden. Auch innenpolitisch ist der Realpolitiker Obama damit zusätzlich unter Druck geraten. Ein Friedensnobelpreis, der mehr Bürde als Würde ist.