B87n: Planungsbehörde setzt auf falsche Vorzugsvariante
Auf meine Initiative hin fand am Donnerstagabend eine Informationsveranstaltung zum Thema "Bundesstraße 87 neu" statt. Nötig geworden ist diese, da der Behördensprecher der CDU-geführten Landesdirektion Leipzig voreilig und unüberlegt eine Vorzugsvariante ins Gespräch gebracht hat, die unter keinen Umständen tragbar ist. Negative Auswirkungen ergeben sich vor allem für die Stadt Taucha und das Naturschutzgebiet Parthenaue. Neben dem Tauchaer Bürgermeister Dr. Holger Schirmbeck und dem SPD-Bundestagsabgeordneten Rainer Fornahl (Verkehrsausschuss) standen auch Vertreter der Planungsbehörde (Autobahnamt Sachsen) für Fragen zur Verfügung.
Bereits mit der Übergabe der Unterlagen für das Raumordnungsverfahren an die Landesdirektion Leipzig ist die sogenannten Südvariante seitens der Behörde präferiert worden. Diese würde, beginnend am Autobahndreieck Parthenaue, östlich an Taucha vorbei mitten durch das Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Schutzgebiet Parthenaue verlaufen. Diese Variante stellt einen erheblichen Eingriff in die Natur dar und ist somit abzulehnen. Diese Ablehnung ist auch seitens der Stadtverwaltung Taucha deutlich geworden.
Im Zuge des Raumordnungsverfahrens werden grundsätzlich mehrere Varianten geprüft. Das sich die Landesdirektion bereits festgelegt zu haben scheint, ist nicht hinnehmbar. Deutlich geworden ist, dass die bisherige Vorzugsvariante null und nichtig ist. Weitere Varianten werden im Zuge des Verfahrens - hoffentlich unvoreingenommen - geprüft. Ich präferiere den Ausbau bestehender Straßenzüge (Nullvariante). Aus meiner Sicht sollte die Ertüchtigung der B2 zwischen der Anschlussstelle Leipzig-Mitte und der Gemeinde Krostitz der erste Schritt sein. Der Krostitzer Ortsteil Hohenossig würde in diesem Fall die langersehnte Ortsumgehung erhalten. Die vierspurige Bundesstraße könnte dann weiter auf der jetzigen Staatsstraße S4 (Delitzsch-Eilenburg) verlaufen und unterhalb von Kospa auf die bereits bestehende B87 einmünden. Der Streckenabschnitt Taucha-Eilenburg wird laut Bundesverkehrswegeplan 2003-2015 im vordringlichen Bedarf realisiert.
Bei der Diskussion stellt sich insgesamt die Frage, welchen Stellenwert der Straßenbau gegenüber anderen öffentlichen Aufgaben einnimmt. Bedenklich ist vor allem die minderwertige Priorität für Naturschutzgebiete. Die Parthenaue ist neben ihrem FFH-Status zudem auch "Natura 2000"-Schutzgebiet. Dieses durch die Europäische Union eingerichtete Netz von Naturschutzgebieten soll "Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung" ausweisen. Was aber ist die gemeinschaftliche Bedeutung "Naturschutz" wert, wenn sie gegen die gemeinschaftliche Bedeutung "Straßenbau" ausgespielt wird?
