Im TZ-Interview: "Ich stehe schon seit März unter Dampf"

07. September 2009

Nordsachsen (TZ). Selbst wenn man es annehmen könnte: Sein Eintritt in die SPD genau am 1. Januar 2006 war keine spontane Silvester-Entscheidung. Es passierte auch im nüchternen Zustand, wie Jens Kabisch immer mal gern mit einem Augenzwinkern betont. Und dass Franz Müntefering an jenem Tag sein 40-jähriges Partei-Jubiläum feierte, sei gleichfalls nur Zufall gewesen. Für Politik habe er sich eben schon lange interessiert, sagt der junge Schkeuditzer. Bereits zu Schulzeiten konnte er im Fach Gemeinschaftskunde mit viel Wissen punkten. Dem Interesse musste nur noch entsprechendes Engagement folgen, und so kam es nach reichlicher Überlegung zu jenem Schritt am besagten Neujahrstag. In den Monaten zuvor stand der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder im Blickpunkt. Nach der verlorenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen sah er sich gezwungen, ein Jahr früher Bundestagswahlen anzuberaumen.

Jens Kabisch verfolgte in den Medien alles aufmerksam mit und beschäftigte sich seit Mai 2005 immer intensiver mit dem Gedanken, sich politisch einzubringen. Als er dann beim SPD-Ortsverein in Schkeuditz "anklopfte", wurde er mit offenen Ar-men empfangen. Ganz klar: Man wollte und benötigte "frisches Blut". Nachwuchs, der sich kreativ und dynamisch präsentiert. Als Erstes brachte Jens Kabisch die Internet-Seite des Ortsvereins auf Vordermann. Zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, hielt er auch öffentliche Vorträge zu politischen Themen, die sein Studium tangierten. Der 24-Jährige rief die Schkeuditzer Bürgerdialoge unter dem Motto "Demokratie lebt vom Mitmachen und Mitdiskutieren" ins Leben. Man lud gestandene Politiker ein. So gaben sich Abgeordnete der Parlamente sowie Bundes- und Staatsminister in Schkeuditz auch außerhalb der Wahlkampfzeit ein Stelldichein. "Wichtig ist, dass Parlamentarier nicht ihr eigenes Süppchen kochen, sondern dem Volk erklären, warum dieses oder jenes so oder so entschieden wurde", erzählt Jens Kabisch.

Nach der Funktional- und Kreisreform war er im Juni 2008 einer von acht SPD-Kandidaten in Schkeuditz für den neuen Kreistag. Insgesamt schafften es nur drei Bewerber, davon keiner der SPD, was nicht zuletzt an der äußerst geringen Wahlbeteiligung gelegen habe, wie der 24-Jährige schlussfolgert. Mit der Entscheidung, sich für den Bundestag zu bewerben, befasste sich Kabisch erstmals im Oktober 2008. "Ich bin angesprochen worden und habe mich im Ortsverein, im Freundeskreis und in der Familie ausgiebig beraten." Dass er noch recht jung an Jahren ist, sieht der Schkeuditzer als Vorteil. Es bildete sich in der Gesellschaft ein bestimmtes Negativbild vom Politiker. Als Neueinsteiger bestände die Hoffnung, dies aufzubrechen.

Kabisch will daher nicht als Politiker, sondern als "politisch interessiert und engagiert" wahrgenommen werden. Bei den Stadtratswahlen in Schkeuditz dieses Jahr schnitt er überraschend erfolgreich ab, wurde von 77 Bewerbern der Achtbeste. Ehrgeizig geht er auch ins Rennen zur Bundestagswahl. Seit März stehe er unter Dampf, habe mit vielen Bürgermeistern gesprochen, Firmen besucht, Probleme aufgegriffen und mittlerweile mehr als 4000 Kilometer mit seinem Pkw zurückgelegt. "Klar möchte ich das Direktmandat schaffen. Der Wahlkreis ist gewinnbar. Sonst würde ich mich ja nicht dermaßen ins Zeug legen", meint Jens Kabisch.

Das Gespräch führte Nico Wendt.