Alles Gute zum 92. Geburtstag, Herr Bundeskanzler!
Wenn Helmut Schmidt über Politik, Gesellschaft oder Europa spricht, hängen ihm die Menschen nach wie vor an den Lippen. Politiker und Nicht-Politiker. "Er ist ein sozialdemokratischer Fels, an dem man auch heute noch 'festmachen' kann", dankt SPD-Parteichef Sigmar Gabriel heute in einem Glückwunschschreiben dem 92-jährigen SPD-Altkanzler.
Der Respekt gegenüber Helmut Schmidt ist ungebrochen groß – und zwar von Vertretern aller politischen Lager. Seit 65 Jahren ist der Mann aus Hamburg politisch aktiv – aber auch heute noch keineswegs politikmüde. Vor zwei Monaten stirbt seine Frau Loki, die er bereits als Kind kennengelernt hatte und mit der er seit 1942 verheiratet war. Sie waren ein unzertrennliches Paar "und wer seine Lebensleistung würdigt, der würdigt auch sie", schließt Jean-Claude Juncker, Premierminister von Luxemburg, seinen Gastbeitrag im Handelsblatt (Donnerstagausgabe) über den "Europäer des Jahres", wie er Helmut Schmidt bezeichnet.
"Er hat unser aller Weg in die Zukunft gepflastert"
Der christlich-konservative Juncker würdigt das "Einmischen" des Sozialdemokraten in politische Fragen, "denn Helmut Schmidt hat Politik nicht nur 'gemacht'. Er hat sie vor allem gedacht, ersonnen und meditiert." Als überzeugter Europa-Politiker dankt Juncker dem deutschen Altkanzler, viele mutige Entscheidungen in seinem Leben getroffen zu haben. "Helmut Schmidt hat in entscheidenden Momenten unser aller Weg in die Zukunft gepflastert. Der Weg in eine gemeinsame europäische Zukunft."
Helmut Schmidt ist Herausgeber der Wochenzeitung „Die Zeit“ und fährt noch immer täglich ins Büro. "Ich arbeite weiterhin 40 bis 50 Stunden pro Woche", erklärte er kürzlich in einem Fernsehinterview. Er liest viel und schreibt viel. Zu tagespolitischen Themen nimmt Schmidt eher selten Stellung, doch seine Urteile sind nach wie vor kurz und prägnant. So antwortet er auf die Frage, ob Außenminister Guido Westerwelle einen guten Job mache, in der TV-Sendung "Menschen bei Maischberger" Mitte Dezember: "Ich glaube nicht, dass Sie im Ernst eine Antwort verlangen." Und alles ist gesagt.
Rhetorisch gewandt – ökonomisch versiert
Auch zur Eurokrise meldete sich Schmidt zu Wort und kritisierte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) scharf. Merkel habe "nicht sehr geschickt" agiert und Schäuble fehle die Erfahrung in den Bereichen "internationale Geld- und Kapitalmärkte", "Bankensystem" und "Aufsicht über die Banken und Schattenbanken". Schmidt ist noch immer rhetorisch gewandt. Auch sein ökonomisches Wissen zählt weiterhin zu seinen großen Stärken. "Wir sind dankbar, dass er einer von uns ist", sagt Sigmar Gabriel heute gegenüber einer großen Tageszeitung. Die Deutschen werden Helmut Schmidt weiter zuhören.
