Der Gewinner verliert, der Verlierer gewinnt

30. Juni 2010

Ein 70-jähriger wird zum Vorbild für eine neue Politik. Ein 51-jähriger wird zum Bundespräsidenten dritter Wahl. Das schwarz-gelbe Lager gab den Kandidaten Wulff der Lächerlichkeit preis. Allen voran ist es aber die Frau Bundeskanzler, die Schaden nimmt. Merkel hatte nicht die Kraft, ihren Wunschkandidaten gegen übergroße Widerstände im hauseigenen Lager durchzusetzen. Deutlich geworden sind diese im Laufe der 10. Bundesversammlung, die nur zur Wahl des deutschen Staatsoberhauptes zusammenkommt. In zwei Wahlgängen scheitert Wulff, der haushohe Favorit, der Parteisoldat, der Gegenspieler. Im dritten Wahlgang, dann, wenn nichts mehr schief gehen kann, wird Wulff gewählt. Ein Desaster für schwarz-gelb bleibt, die Koalition ist dem Ende näher als einen neuerlichen Neustartversuch. Einen Befreiungsschlag hat Merkel mit der Nominierung des Parteisoldaten Wulffs wissentlich vergeigt, sich gar gegen die Stimmung im Land gewandt. Den Bürgerrechtler Joachim Gauck als Kandidat über alle Parteien lehnte die Frau Bundeskanzler ab.

Dieser aber ist der Gewinner dieser Bundespräsidentenwahl - auch, wenn er vom Ergebnis her verloren hat. Er ist Vorbild für eine Politik im Sinne des Volkes, einer Politik, die fernab von Parteinotwendigkeiten agiert.

Im entscheidenden dritten Wahlgang erhielt der Regierungskandidat 625 Stimmen, Gauck 494. Die Linkspartei konnte sich ihrer nicht stellen und enthielt sich nahezu geschlossen. Damit bestätigt sich meine kritische Auffassung im Hinblick auf diese Partei.