Fritzsche: "Echter Optimismus und neue Ideen"
Im Interview mit der Torgauer Zeitung (Samstagsausgabe) hat die neue nordsächsische SPD-Kreisvorsitzende Ursula Fritzsche sich und ihr Konzept vorgestellt. Im Gespräch mit Christian Wendt nahm Fritzsche Stellung zu den Querelen innerhalb der SPD Nordsachsens und blickte in die Zukunft: Der Optimismus innerhalb der Partei sei "echt", viele "neue Ideen" würden diskutiert.
TZ: Erst einmal herzlichen Glückwunsch zur Wahl. Wie schätzen Sie Ihr Wahlergebnis von 87 Prozent ein?
Ursula Fritzsche: Mir ging es in erster Linie darum, dass ich eine stabile Mehrheit hinter mir vereint weiß. Und genau die habe ich mit den 87 Prozent. Sachsenweit ist mir damit zwar das beste Ergebnis geglückt, doch möchte ich dem keine weitere Bedeutung beimessen. Ab jetzt wird nach vorn geschaut.
Was sehen Sie denn da?
Ich sehe einen SPD-Kreisverband, in dem sehr viel Aufbruchsstimmung herrscht.
Angesichts der schlechten Wahlergebnisse könnte sich diese vermeintliche Aufbruchsstimmung nur als Pfeifen im Wald entpuppen.
Keineswegs. Ich habe mit vielen Genossen gesprochen und gemerkt, dass der Optimismus echt ist. Über viele neue Ideen wird derzeit bei uns gesprochen.
Zumindest eine wurde ja schon umgesetzt: Der Vorstand wurde von 15 Mitglieder auf 9 verkleinert. Warum?
Kleiner ist feiner. Aber Spaß beiseite, das Gremium war einfach viel zu groß. Eine problemorientierte Arbeit war mit 15 Leuten nicht möglich.
In seiner Brandrede hatte ihr jetziger Stellvertreter Jens Kabisch von einem wenig politischen, oftmals persönlich werdenden Kreisvorstand gesprochen. Ränkespiele und Eifersüchteleien hätten weg von den eigentlichen politischen Problemen geführt.
Womit er recht hat. Es gab viel zu viel Diskussionen und zu wenig Inhalt.
Ein Problem, das dem Führungsstil der alten Vorsitzenden Deicke angelastet werden kann?
Das Problem betraf alle Mitglieder des Vorstands gleichermaßen. Liane Deicke wurde zudem mit vielen offenen Fragen allein gelassen. Jeder schien sich auf sie verlassen zu wollen. Das funktioniert so aber nicht. Verantwortung muss auf viele Schultern verteilt sein.
Auch auf die von Heiko Wittig, der in der Vergangenheit oftmals mit Denkanstößen überraschte und jetzt als Beisitzer im Vorstand weilt?
Wenn Sie auf die Großkreisdebatte anspielen, hatte der Heiko ja nicht unrecht gehabt. Und ich glaube fest, dass die Diskussion darüber in Anbetracht der finanziell schwierigen Situation der Kreise erneut an Dynamik gewinnen wird.
Sind Sie froh, dass es der Löbnitzer noch einmal in den neuen Vorstand schaffte?
Viele würden jetzt bestimmt denken, dass es ohne ihn ruhiger wäre. Doch Heiko ist rege, er ist immer da und für Aufgaben ansprechbar. Ich wäre schlecht beraten, wenn ich auf seine Mitarbeit verzichten würde.
Bedeutet dies, dass Sie sich als neue Vorsitzende auch als Art Moderatorin verstehen?
Eine Vorsitzende muss immer als Moderatorin agieren, innerhalb der Partei und erst recht nach außen hin.
Wie wollen Sie den Kreisverband auf den neuen Fritzsche-Kurs einschwören?
Wir haben uns innerhalb des Vorstands auf ein grundlegend anderes Arbeitssystem verständigt. So werden wir künftig unsere Kraft in drei Kompetenzbereiche aufspalten. Als da wäre erstens der kommunalpolitische Bereich. Hier sollen die Verbindungen von Kreisräten und Gemeinderäten gestärkt werden. Auch soll es eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Bürgermeistern geben. Zweitens wollen wir die Breitenwirkung steigern, das heißt, dass wir künftig die Zusammenarbeit mit befreundeten Trägern wie beispielsweise der AWO und kirchliche Verbände intensivieren werden. Als Drittes kümmern wir uns stärker als bislang um die innere Organisation, wozu auch eine bessere Betreuung der Mitglieder und Ortsvereine gehört.
Klingt nach Großbaustelle...
Stimmt, da wartet ein schönes Stück Arbeit auf mich und den Rest des Vorstands.
Eine Arbeit, die Jahre in Anspruch nehmen könnte. Werden Sie dafür die Kraft aufbringen können?
Ich sehe mich ganz klar als tatkräftige Übergangslösung. Mein Ziel muss es sein, den SPD- Kreisverband wieder zu einer starken politischen Kraft im gesamten Landkreis werden zu lassen und all die Ränkespiele vergessen zu machen. Wir müssen ganz klar wieder stärker die Belange der Arbeitnehmer berücksichtigen. Wenn uns dies gelingt, habe ich meine Schuldigkeit getan.
Dann kommt womöglich ein Jens Kabisch?
Das kann man jetzt noch nicht einschätzen. Allerdings wäre er jemand, dem ich das Amt durchaus zutraue.
Zur Person:
Ursula Fritzsche
Alter: 61 Jahre
Familienstand: verheiratet, 4 erw. Kinder, 4 Enkel
Wohnort: Wermsdorf
Ausbildung/Beruf: gelernte Krankenschwester, Berufspädagogin, jetzt Rentnerin
ehrenamtl. Tätigkeiten: 1990-1996 Geschäftsführerin der ÖTV-Kreisverwaltung Grimma; u. a. Mitglied im Landesvorstand der SPD
