Arzberg: Schulschließung ist "Schlag ins Gesicht"

19. Mai 2010

Die geplante Schließung der Grundschule in der nordsächsischen Gemeinde Arzberg bezeichnet der stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende Jens Kabisch als "Schlag ins Gesicht einer engagierten und lebhaften Gemeinde". Als Bundestagskandidat habe er Arzberg als vom "bürgerlichen Engagement in allen Bereichen des öffentlichen Lebens" geprägte Gemeinde kennengelernt. "Die angedrohte Schließung stellt die Attraktivität der Gemeinde in Frage", so Kabisch. Das Kultusministerium dürfe sich nicht nur von Gesetzen leiten lassen. "Ein Portion Menschlichkeit und Respekt sollte auch" so Kabischs Hoffnung, "in einem Ministerium vorzufinden sein". "An dieser Stelle ist das jetzt dringlich geboten", setzt der SPD-Politiker fort.

"Unbedingt" müsse die Schulschließung abgewendet werden. "Das Ministerium muss unverzüglich zu der Einsicht gelangen, dass wohnortnahe Grundschulen für die dörfliche Struktur unerlässlich sind" appelliert der 25-jährige. Kabisch fragt sich, warum im sächsischen Schulgesetz nicht eine Sonderrolle für dörfliche Grundschulen definiert werden könne. "Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels wird das SMK bald weitere Hiobsbotschaften aufs Land schicken" – das müsse umgehend mit einer neuen Strategie und einem Bekenntnis für wohnortnahe Grundschule verhindert werden.

Nach den Kürzungsplänen im Bereich der Jugendpauschale setze die Staatsregierung die Zukunft Sachsens erneut aufs Spiel. "Tabuloses Sparen verbietet sich selbst in der jetzigen Gesamthaushaltssituation", so Kabisch. Der Bildungsbereich sei in Deutschland chronisch unterfinanziert, Sachsens Lehramtsanwärter blieben hier zumeist ohne jede Chance auf einen Arbeitsplatz. "Hier wird am falschen Fleck gespart", zeigt sich der stellvertretende Kreisvorsitzende erbost.

An dieser Situation zeige sich nach Meinung von Jens Kabisch erneut die Absurdität des föderalen Bildungssystems. "In einem bundeseinheitlichen Bildungssystem gäbe es keine so gravierenden Unterschiede in der Bezahlung; Verbeamtungen mal da, mal dort wären ebenfalls ausgeschlossen". Die erste Föderalismusreform habe dieser "eigenartigen Entwicklung" Tür und Tor geöffnet, so Kabisch abschließend.

Neben Arzberg sind im Landkreis Nordsachsen weitere Grundschulstandorte akut von der Schließung bedroht.