Der Flurschaden für das Gymnasium ist immens

23. März 2011

Der Krankheitsverlauf des Schkeuditzer Gymnasiums ließ nichts Gutes vermuten, die Bildungseinrichtung lag auf der Intensivstation und teilte sich in ihrem Schicksal ein Doppelzimmer mit dem Gymnasium der Stadt Markranstädt. Gemeinsam verordneten der Chefarzt des Landkreises Delitzsch  und die Oberärzte der Städte Schkeuditz und Markranstädt den Gymnasien eine umfassende Reha-Maßnahme von zunächst unbestimmter Dauer. So lässt sich das Zustandekommen der 2002 geschlossenen Zweckvereinbarung zur Rettung beider Schulstandorte bildlich umschreiben. Ohne das geschlossene Vertragswerk gäbe es beide Gymnasien heute nicht mehr.

Während der Reha-Maßnahme sollten beide Patienten gesunden, anschließend aus der "Zwangsehe" entlassen werden. Das geht freilich erst, wenn beide als geheilt gelten – und zwar in zweifacher Hinsicht: Zum einen mit Blick auf die Schülerzahlen, zum anderen mit Blick auf die baulichen Rahmenbedingungen. Beides ist Stand heute nicht der Fall – weder in Schkeuditz, noch in Markranstädt. Trotzdem koppelt Markranstädts Bürgermeisterin Radon "ihr" Gymnasium von den lebensrettenden Maschinen ab, kündigt die Zweckvereinbarung zum Schuljahr 2012/2013 einseitig auf. Das geht zu Lasten des Schkeuditzer Patienten und das ist politisches – nicht medizinisches – Kalkül. So geht das natürlich nicht.

Zu dieser Situation kommt ein schwerwiegenderes Symptom hinzu, welches zweifellos ins Bild passt: Die Sekundarstufe II, also die Klassenstufe 11 und 12, sollen mit Beginn des Schuljahres 2011/2012 ausschließlich im Luise-Otto-Peters-Haus Markranstädt unterrichtet werden. Etwa 50 Schülerinnen und Schüler aus der Elsterstadt müssten also nicht unerhebliche Belastungen im Zuge notwendiger Busfahrten in Kauf nehmen. Da die Entscheidung, wer auch immer sie zu vertreten hat, zweifellos mit einiger Brisanz einhergeht, kamen die Informationen zögerlich, verspätet und halbherzig. Bis heute ist kein greifbarer Grund von den Verantwortlichen benannt – auch nicht beim Sonder-Elternabend am heutigen Abend. Immerhin: Die Schulleitung hat vor dem Hintergrund einer verständlicher Weise aufgeheizten Debatte angeboten, das gymnasiale Kurssystem neu zu berechnen. Ziel: Der Unterricht soll mit möglichst wenig Fahraufwand in den jeweiligen Stammhäusern aufrecht erhalten werden – also wie bisher auch, ohne große Probleme.

Irgendwie dreht sich alles ums Geld, glaubwürdig ist die Entscheidung dennoch nicht: Auf der einen Seite werden beinahe zwei Lehrer gespart, auf der anderen Seite wird ein 30.000 Euro teures Pendelbussystem unterhalten. Worauf niemand schaut: Der Flurschaden für das Schkeuditzer Gymnasium ist immens. Während Frau Radon "ihr" Gymnasiumsteil zahlentechnisch aufhübscht, ist der Verlust an Vertrauen und Glaubwürdigkeit auf Schkeuditzer Seite so groß, dass die Folgen heute noch nicht absehbar sind. Nicht wenige Eltern werden sich vor dem Hintergrund gut überlegen, am Gymnasium in Schkeuditz zu bleiben – Neubau hin oder her. Die planmäßige Gesundung gerät dabei ins Wanken, da besonnenes Handeln fehlt.

Weiterführende Information:

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Pressebericht der Leipziger Volkszeitung vom 18.03.2011