Gymnasium: "Das ist eure Schule" - also nutzt sie auch

18. März 2011

Der Gymnasiumsneubau nimmt Konturen an

Gemeinsam mit dem Landkreis Nordsachsen baut die Stadt Schkeuditz derzeit ein neues Gymnasium. Durch den Umzug in die Innenstadt wird der Schulstandort gestärkt, viele Jahre haben die Verantwortlichen dafür gekämpft. Zum Schuljahresbeginn 2011/2012 soll es endlich losgehen. Allein der Blick auf die Zeitachse zeigt, dass das Projekt nicht problemlos realisiert werden konnte: Bereits vor fünf Jahren sollte der Umzug vollzogen sein. Kurz vor Erreichen der Zielgeraden sind drei Probleme konkret greifbar: Neben der Nichtumsetzbarkeit des Cadolto-Containers und der bisher vergessenen Harmonisierung des Schülerverkehrs sowie der Unterrichts- und Pausenzeiten kommt nun die geplante Beschulung der Sekundarstufe II ausschließlich im Haus II Markranstädt hinzu. Das heißt: Alle Schüler der 11. Klassen, eben auch die aus Schkeuditz, müssen nach Markranstädt fahren, der Landkreis hat einen funktionierenden Busverkehr zu organisieren und zu finanzieren. Die Eltern sind aufgeschreckt und schockiert, die Schüler fühlen sich vor den Kopf gestoßen. Es ist keine zwei Wochen her, als sie von höchster Stelle - dem Landrat - durch den innerstädtischen Neubau geführt worden. Tenor: "Das ist eure Schule."

Nicht auf dem Rücken der Schkeuditzer Schülerinnen und Schüler

Reichlich entsetzt haben meine Kollegin Bärbel Kinski (Freie Wähler) und ich aus der Eltern- und Schülerschaft von den Plänen erfahren und umgehend gehandelt. Oberbürgermeister Enke, der bis dato nicht informiert war, wurde in Kenntnis gesetzt, die Telefonleitungen zum Landratsamt und zur Bildungsagentur glühten. Von allen Akteuren vernahmen wir Widersprüchliches, niemand will die Entscheidung getroffen haben. Letztlich lassen sich wohl aber zwei Hauptgründe heraus interpretieren.

Sehr offen geht Markranstädts Bürgermeisterin Carina Radon (CDU) mit ihrem Bestreben um, zum Schuljahr 2012/2013 die Eigenständigkeit "ihres" Gymnasiums wieder zu erlangen. Aus Markranstädter Sicht verständlich, Schkeuditz verfolgt dieses Ziel auch - aber pragmatischer und auf die realen Voraussetzungen bezogen. Sie aber verfolgt dieses Ziel auf Biegen und Brechen – und damit auf dem Rücken der Schkeuditzer Schülerinnen und Schüler. Einen zweiten Grund liefert die Bildungsagentur, freilich nicht in der offiziellen Lesart. Ich könne mir doch leicht an drei Fingern abzählen, dass der gebündelte Unterricht in Markranstädt "Lehrerpotenziale spart", so die für das Gymnasium zuständige Mitarbeiterin der Behörde. Die Vermutung liegt nahe, dass hier der eigentliche Grund zu verorten ist. Dem Vernehmen nach würden 1,5 bis 1,7 Lehrer gespart werden.

Eine Zweckvereinbarung rettet zwei Gymnasien

Zur Erklärung der Gesamtzusammenhängen darf ein Blick in die Historie nicht fehlen: 2002 haben sich die Gymnasien Schkeuditz und Markranstädt aus einer existenziellen Notlage heraus zusammengeschlossen. In dieser Ehe sollten beide Schulen gesunden, bis die Voraussetzungen für die jeweilige Eigenständigkeit wiedererlangt sind. Bis heute ist das weder in Schkeuditz noch in Markranstädt der Fall, die Schülerzahlen haben sich nicht in ausreichendem Umfang stabilisiert, die baulichen Rahmenbedingungen sind noch nicht abgeschlossen. Die Markranstädter Seite macht es sich deshalb zu einfach, wenn sie leichtfertig einen Termin zur Aufkündigung der Zweckvereinbarung in den Raum stellt.

Ziel aller nunmehr vereinten Kräfte ist es, die Sekundarstufe II Schkeuditz auch im neuen Schulhaus unterrichten zu können. Dazu hat der Oberbürgermeister ein Gespräch mit dem Landratsamt und der Bildungsagentur angeregt. Auch im Zuge der nächsten Stadtratssitzung am 14. April soll hierzu debattiert werden. Zudem wird sich das Stadtparlament früher oder später mit der Übernahme des Gymnasiums in Trägerschaft der Stadt Schkeuditz beschäftigen müssen.

Weiterführende Informationen:

Brief von Oberbürgermeister Enke an Landrat Czupalla in dieser Sache

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