"Kein reines Parteiverwaltungsgremium mehr"

31. März 2012

"Wo wäre unsere Gesellschaft ohne derlei Aktivitäten?", fragte Joachim Gauck nach seiner Vereidigung zum Bundespräsidenten. Diese Frage griff Jens Kabisch am Samstag beim Sprottaer SPD-Kreisparteitag in Bezug auf die Anerkennung ehrenamtlichen Engagements in der Politik auf. "Kein Ritterschlag, aber fernmündliche Anerkennung für das, was wir zwischen Arbeit und Familie als 'Hobby' bezeichnen", befand der 27-jährige alte und neue Vizechef der nordsächsischen SPD.

Die Sozialdemokraten Nordsachsens haben auf ihrem Delegiertentreffen den Kreisvorstand neugewählt, die Delegation für den Landesparteitag zusammengestellt und inhaltlich vor allem über Schulen, Lehrer, Finanzen und Ärzte debattiert. Dabei wurde das Führungsduo um die SPD- Kreisvorsitzende Ursula Fritzsche und ihrem Stellvertreter Jens Kabisch im Amt bestätigt. Als Schatzmeisterin übernimmt Bianca Bochnig aus Bad Düben die Verantwortung über die Finanzen, der als Vorsitzender der SPD/Grüne-Kreistagsfraktion bekannte Heiko Wittig ist Schriftführer im neuen Kreisvorstand. Beisitzer sind Eilenburgs SPD-Chef Torsten Pötzsch, Holger Trauzettel aus Delitzsch, Rosemarie Schöne aus Schkeuditz sowie der Tauchaer Peter Wagner und Marion Kaewel aus Rackwitz.

In ihrer Rede ging Fritzsche darauf ein, dass sich die Verkleinerung des Vorstandes bewährt habe. "So aktiv und quirlig, so lösungsorientiert und breit aufgestellt waren wir lange nicht", ergänzte ihr Stellvertreter. "Wir aktivierten die Zusammenarbeit innerhalb der SPD und deren Arbeitskreisen sowie zu unseren benachbarten Unterbezirken in Leipzig, Leipzig-Land und Mittelsachsen", blickte Fritzsche, die dem Kreisverband seit 2010 vorsitzt, zurück. Die 63-jährige sprach die gutbesuchten Veranstaltungen an, die die nordsächsische SPD gemeinsam mit der Friedrich-Ebert-Stiftung organisiert habe, aber auch die sachsenweit erste Betriebs- und Personalrätekonferenz auf Landkreisebene.

Gemeinsam mit der stellvertretenden Landesvorsitzenden Petra Köpping sendete Fritzsche kritische Stimmen in Richtung Dresden. "Die Staatsregierung sollte sich endlich um eine ordentliche Finanzausstattung für die Kommunen kümmern", forderte sie. Sie, die Landesregierung, solle sich um so vieles kümmern, "statt uns tot zu sparen", setzte sie vehement fort. Beide kritisierten die geschwächte Polizei, das Ende der Gemeinschaftsschulen, zusammengestrichene Ganztagesangebote, Schulschließungen, vor allem im Bereich der Grundschulen und die Fehleinschätzung hinsichtlich des Lehrerbedarfs. "Es geht um das Beste, was wir haben – unsere Kinder."

Für seine Arbeit erntete der Kreisvorstand Anerkennung und Dank aus den Reihen der Delegierten und Gäste. Jens Kabisch befand abschließend, dass der Kreisvorstand "kein reines Parteiverwaltungsgremium mehr" sei.

Weiterführende Information:

Kreisvorstand der nordsächsischen Sozialdemokratie