"Wir sind emanzipiert und stolz auf unsere Entwicklung"

01. September 2012

Empört weist neben Oberbürgermeister Jörg Enke (Freie Wähler) auch die SPD-Ratsfraktion der Elsterstadt den Gedankengang von Leipzigs Rathauschef Burkhard Jung (SPD) zur Bildung einer Großkommune innerhalb des Leipziger Autobahndreiecks zurück. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Stadtrat, Jens Kabisch, bezeichnet Jungs auf einer Podiumsdiskussion geäußerte Vision als "nicht nachvollziehbar".

Schkeuditz habe sich als landkreisangehörige, aber eigenständige Kommune selbstbewusst entwickelt. "Wir sind emanzipiert und stolz auf unsere Entwicklung", unterstreicht Kabisch. Mit dem jetzigen Vorstoß, den Jung aus Sicht von Kabisch zur Unzeit platziert, verkehre sich die vertrauensvolle Zusammenarbeit in der Region ins Gegenteil. "Die Stadtchefs von Markleeberg, Markranstädt, Taucha und Schkeuditz werden den Leipziger Oberbürgermeister von jetzt an argwöhnisch beäugen müssen", empfiehlt Kabisch.

Spätestens mit der Ernennung zur Großen Kreisstadt habe Schkeuditz seine Eigenständigkeit unterstrichen. "Daran gibt es nichts zu rütteln, eine Große Kreisstadt wird nicht eingemeindet werden", ist sich der gebürtige Schkeuditzer sicher. Wenn man sich die Entwicklung der nach Leipzig eingemeindeten Randgemeinden anschaue, muss man vor dem Schritt einer Eingemeindung zurückschrecken. "Hier hat sich Leipzig aus meiner Sicht verhoben, der Integrationsprozess ist noch lange nicht abgeschlossen."

"Leipzig hat unbestritten ein einzigartiges Flair, hochattraktive Kultureinrichtungen und eine lebendige Innenstadt. Dennoch hat Schkeuditz seinen Platz im Speckgürtel, nicht aber in der Stadt Leipzig selbst", betont der Fraktionschef.

Die von Jung an-, aber nicht zu Ende gedachte Vision greife allenfalls dann, wenn ein Bundesland Mitteldeutschland aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen am Entstehen ist. "Dann muss sich die Region Leipzig-Halle neu sortieren" ergänzt Kabisch, "nicht aber mit dem Negativbegriff Eingemeindung sondern nach dem Vorbild der Region Hannover." Zum jetzigen Zeitpunkt halte es Kabisch aber klar mit dem vormaligen Leipziger Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube, der auf einer in Schkeuditz stattfindenden SPD-Veranstaltung im Juni 2010 sagte: "Ich wollte Schkeuditz nicht." Aus Sicht von Schkeuditz habe sich an diesem Sachstand nichts geändert.